Grundlagen der Nervenleitgeschwindigkeit: Was ist NLG und warum ist sie wichtig?
Die Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) ist ein unverzichtbares diagnostisches Werkzeug in der Neurologie. Diese Untersuchung ermöglicht es, die Leitfähigkeit der Nerven zu überprüfen und liefert entscheidende Informationen zur Diagnose und Therapieplanung bei verschiedenen neurologischen Erkrankungen. In diesem Artikel geben wir einen umfassenden Überblick über die Bedeutung, Durchführung und Anwendung der NLG-Untersuchung.
Was ist die Nervenleitgeschwindigkeit?
Nervenleitgeschwindigkeit, abgekürzt NLG, bezeichnet die Geschwindigkeit, mit der elektrische Signale durch die Nervenbahnen des Körpers geleitet werden. Man kann sich Nerven ähnlich wie Stromkabel vorstellen, die Informationen auf elektrische Weise weiterleiten. Die NLG-Untersuchung überprüft die Leitfähigkeit der Nerven in folgenden Aspekten:
- Leitgeschwindigkeit: Wie schnell leiten die Nerven die Impulse weiter?
- Signalübertragung: Wie viel des Signals kommt an?
- Leitungsverzögerung oder Blockade: Gibt es Stellen, an denen die Leitung verzögert oder blockiert ist?
Diese Untersuchung ist entscheidend, um den Ort, die Art und das Ausmaß einer Nervenschädigung zu identifizieren und somit die richtige Therapieentscheidung zu treffen.
Anwendungsbeispiele der NLG-Untersuchung
Polyneuropathie
Bei der Polyneuropathie, einer Erkrankung, bei der mehrere periphere Nerven betroffen sind, liefert die NLG-Untersuchung wichtige Hinweise auf die Art des Nervenschadens:
- Demyelinisierung: Verlust der schützenden Myelinschicht um den Nerv.
- Axonaler Schaden: Schaden am Axon selbst, dem zentralen Teil des Nervs.
Die in der NLG-Untersuchung bestimmbare Art des Nervenschadens (med. Demyelinisierung vs. axonaler Schaden) gibt wichtige Hinweise auf die zugrundeliegende Ursache. Diese Unterscheidung ist wichtig für die Diagnose und die Auswahl der Therapie.
Nervenverletzung
Bei einer Nervenverletzung kann das Ausmaß des Schadens durch die NLG-Untersuchung bestimmt werden:
- Neurotmesis: Komplette Durchtrennung des Nervs.
- Axonotmesis: Schädigung des Axons bei intakter Myelinscheide.
- Neurapraxie: Vorübergehende Funktionsstörung ohne strukturellen Schaden.
Nervenengpasssyndrom (eingeklemmter Nerv)
Bei Verdacht auf ein Nervenengpasssyndrom, wie das Karpaltunnelsyndrom, klärt die NLG-Untersuchung folgende Fragen:
- Liegt ein eingeklemmter Nerv vor?
- Welcher Nerv ist betroffen und an welcher Stelle?
- Ist der Nerv gereizt oder bereits geschädigt?
- Wie ausgeprägt ist der Nervenschaden?
Auch hier dient die NLG-Untersuchung zur Beantwortung wichtiger Fragen: Liegt ein eingeklemmter Nerv vor? Welcher Nerv? Wo genau? Ist der Nerv gereizt oder geschädigt? Wie ausgeprägt ist der Nervenschaden? Ist eine Operation zur Verhinderung eines bleibenden Nervenschadens nötig?
Bandscheibenvorfall
Bei einem Bandscheibenvorfall beantwortet die NLG-Untersuchung zusammen mit der Elektromyographie (EMG) die Frage, ob nur eine Nervenreizung oder ein tatsächlicher Nervenschaden vorliegt. Die wichtigste Frage, die in dieser Situation anhand der NLG (und EMG) Untersuchung geklärt werden kann, ist die Frage, ob “nur” eine Nervenreizung oder tatsächlich ein Nervenschaden vorliegt. Ist letzteres der Fall, drohen bleibende Ausfallserscheinungen. Dies ist entscheidend, um das Risiko bleibender Ausfallserscheinungen zu bewerten und eine fundierte Entscheidung über eine mögliche Operation zu treffen. Für mich ist der gemessene Funktionszustand der Nerven das wichtigste Kriterium bei der Entscheidung, ob eine Operation notwendig ist.
Durchführung der NLG-Untersuchung
Leider ist eine NLG-Untersuchung vom Prinzip her nicht ganz angenehm – es müssen die zu untersuchenden Nerven mit Stromimpulsen gereizt werden. Diese Stromimpulse sind spürbar. Die Intensität wird meist als unangenehm empfunden, ist aber erträglich. Eine häufige Reaktion ist: „Es gibt schlimmeres“.
Ablauf der Untersuchung
Anbringen der Elektroden: Klebeelektroden werden auf der Haut angebracht, um das Nervensignal über einen angeschlossenen Verstärker zu messen.
Stimulation der Nerven: Die Nerven werden mit ungefährlichen Stromimpulsen stimuliert, die über die Elektroden aufgezeichnet werden. Um die Nervenfunktion zu messen, müssen die Nerven mit einem (ungefährlichen) Stromimpuls stimuliert werden. Über die zuvor befestigten Klebeelektroden wird dann der Impuls aufgezeichnet.
Wahl der Ableitorte: Je nach zu untersuchendem Nerv und dessen Fasern (sensible oder motorische) wird der Ort der Ableitelektroden gewählt.
Messung der Leitungsgeschwindigkeit: Der Nerv wird an verschiedenen Stellen stimuliert, um die Leitungsgeschwindigkeit zu berechnen. Der Abstand zwischen Stimulationsort und Ableitort wird ausgemessen. So kann die Leitungsgeschwindigkeit berechnet werden. Im Falle eines Karpaltunnelsyndroms ist die Nervenleitgeschwindigkeit auf Höhe des Handgelenks herabgesetzt. (Und zwar nur die Leitungsgeschwindigkeit desjenigen Nerven, der durch den Karpaltunnel zieht. Der andere „Handgelenks-Nerv“ sollte normale Messwerte zeigen. Ansonsten muss die Diagnose überdacht werden.) Die Messung zeigt also in diesem Beispiel eine umschriebene Verzögerung der Leitgeschwindigkeit des Nervus medianus im Handgelenksbereich (bei normaler Leitgeschwindigkeit im Unterarmbereich, zwischen Ellenbeuge und Handgelenk). Es ist dies ein typischer NLG Befund bei einem Karpaltunnelsyndrom.
Sicherheit der NLG-Untersuchung
Aus medizinischer Sicht ist die NLG-Untersuchung völlig ungefährlich. Ein Risiko für bleibende Schäden besteht nicht. Die Untersuchung liefert wertvolle Informationen zur Diagnose und Therapieplanung, die ohne nennenswerte Belastung für den Patienten gewonnen werden.
Fazit
Im ZFM – Zentrum für Mobilität in Wien bieten wir umfassende neurologische Untersuchungen und Behandlungen an. Dr. Jana Cink steht Ihnen mit ihrer Expertise zur Verfügung, um Ihnen eine präzise Diagnose und individuelle Therapieplanung zu ermöglichen. Zögern Sie nicht, einen Termin zu buchen und sich von unserer Fachärztin für Neurologie beraten und behandeln zu lassen.